|
Moselfahrt des ESV Schmöckwitz und des Koblenzer Ruderclub Rhenania
Bei der
Abruderveranstaltung des ESV Schmöckwitz in Berlin, am 1. November
letzten Jahres, wurde zwischen Matthias Sieg und Teddy Schäfer
vereinbart, in diesem Jahr eine gemeinsame Wanderfahrt auf der Mosel
durchzuführen.
Gesagt
- getan.
Die Anneliese Kaesberg vom Koblenzer RC Rhenania, eine hervorragende
Kennerin der Mosel, organisierte die passenden Übernachtungen für die
Tour.
Der
Termin wurde für Himmelfahrt angesetzt. Die Ausschreibungen brachten 26
Interessenten beider Vereine.
Die
ersten Berliner reisten bereits am Dienstagabend in Koblenz an und
wurden zunächst von Teddy und Antje “Mausepips“ auf das herzlichste
begrüßt. Nach einem Besuch in zum Bootshaus gehöriger Gaststätte,
betteten wir unsere müden Häupter auf den freundlicherweise vom
Koblenzer RC zur Verfügung gestellten Betten. Die Betten wie auch die
Unterkunft selbst, sind übrigens empfehlenswert.
Für
Mittwoch stand erst einmal Kultur auf der Tagesordnung, während die
Ruderkameraden aus Koblenz noch ihrem normalen Tagesgeschäft (Arbeit)
nachgingen.
Beim
Besuch der Marksburg trennte sich dann auch gleich die Spreu vom Weizen.
Während die durchtrainierten Sportler sich zu Fuß zur Burg aufmachten,
fuhren die Schlauen bis zum oberen Parkplatz.
In
Monreal gab es dann keine Ausreden mehr. Alle mussten hoch zur
Burgruine. Anschließend wurde unten im Ort am lauschigen Elzbach Kaffee
getrunken.
Zurück
in Koblenz waren inzwischen auch die restlichen Berliner eingetroffen,
so dass wir zum Abend noch einen Spaziergang zum “Deutschen Eck“
machten.
Am nächsten Morgen war es soweit. Gemeinsam mit den ersten Koblenzern
ging es zum Treffpunkt am Bahnhof Moselweiß. Hier trafen wir auf die
anderen Ruderkameraden des Koblenzer RC Rhenania.
Dabei
wurde schon einmal festgestellt, dass die Berliner alle “Du“ hießen. Im
Zug kam es zu ersten vorsichtigen Kotaktaufnahmen zwischen den
Teilnehmern der Wanderfahrt. Hier erfolgte auch die Bootseinteilung.
In
Schweich verließen wir die Bahn und begaben uns im Wanderschritt zum
dortigen Hafen. Hier lagen bereits die von den Koblenzer Ruderkameraden
vorbereiteten Boote. Diese Boote waren in einem hervorragenden
materiellen Zustand, was sicher der ständigen Betreuung durch Teddy zu
danken ist. Besonders schmuck machten sich die herrlich pollierten
Holzboote “Pläum“ und “Oberwerth“.
Teddys
Telefon hatte bis zur Abfahrt bestimmt schon 10 Mal geklingelt, weil ein
amerikanischer Cowboy, ein angemietetes Ruderboot nun nicht mehr nutzen
konnte, weil seine Frau, welche er damit zum umherfahren wollte,
plötzlich feststellte, dass so ein Boot auf dem Wasser schwimmt.
Ordentlich mit Getränken aller Art versehen ging es dann in 2er, 3er und
4er-Booten auf die Reise zum ersten Tagesziel, nach Brauneberg.
Da es
tagsüber recht warm war, wurde am Abend am Zielpunkt in Brauneberg, für
leichte Abkühlung gesorgt. Zunächst durch einen kleinen Regenguss und
dann im Hotel “Zur Grafschaft“, durch eine Weinprobe nach dem
Abendessen. Allerdings zeigten sich bei einigen Ruderkameraden durch
Traumsand in den Augen leichte Ausfallerscheinungen der für eine baldige
Nachtruhe sorgte. Der Versuch, den Berlinern Traumsand in die Augen zu
streuen war am Nachmittag bereits vorhanden gewesen, als versucht wurde
uns einzureden, dass die Loreley sich an der Mosel befindet, wie es von
einem Spaßvogel an einen Felsen gemalt stand.
Am nächsten Morgen ging es mit kleinen Umstellungen in den
Bootseinteilungen wieder aufs Wasser. In Bernkastel wurde zusätzlich,
dass von den Amerikanern verweigerte Boot mitgenommen. Unsere Haike, die
unbedingt mal “Zweier“ rudern wollte und diesen Wunsch hier erfüllt
bekam, meinte Abends in Zell, dass sie morgen lieber wieder in ihr
ursprüngliches Boot Zurückwolle. Der Andreas, der sich zwischenzeitlich
jedoch ein gut funktionierendes Team zusammengestellt hatte, ließ keine
erneute Umstellung zu.
Nachdem
die Sonne am Vormittag noch ein wenig versteckte, wurde es dann doch ein
recht sonniger Tag. Meine Kerstin und die Alterpräsidentin unserer
Wanderfahrt, die Eva Assmann, fanden an diesem zweiten Tag unzählige
Themen sich zu unterhalten und wurden in der Anzahl ihrer Worte nur noch
durch unseren Hartmut "Zese" überboten.
Nach 47
km kam unser Tagesziel, der Ruderverein Zell in Sicht. Bereits seit der
Mittagspause hatte uns die Zeller "schwarze Katz", eingesperrt in
Flaschen begleitet. Wir haben übrigens alle Flaschen geöffnet, aber
keine Katzen gefunden. Weder Schwarze noch Weiße.
Die
noch nicht ausgelasteten Damen unserer Tour machten noch eine
abschließende Aerobicübung auf dem Schwimmsteg des RV, unter
Zuhilfenahme vorbeifahrender Motorboote, während die Männer die
verlorenen Mineralien lieber durch ein frisches Bier ausgleichen
wollten. Das klappte dann in "Breuers Mühle", unser Pension. Während
sich die andern vor dem Essen auch noch um ein Zimmer kümmerten, ließen
ich und Kerstin die Sache etwas ruhiger angehen. Wie sich später
herausstellte, war das wohl etwas zu ruhig gewesen, denn plötzlich
standen wir ohne Bett da. Schon fast auf eine Nacht im Freien
eingerichtet, fanden wird dann noch bei Teddy und Antje im Zimmer
Quartier, wobei sie uns freundlicherweise die etwas längeren Betten
überließen. Der vorbeiplätschernde alte Mühlbach, hinterließ während der
Nacht den Anschein von Dauerregen, was aber laut Rücksprache am nächsten
Morgen, bei keinem der Teilnehmer zu einer erhöhten Frequentierung der
Toilette geführt hatte.
Ach
übrigens “Übernachten im Freien“. Unsere Rudersäcke schliefen doch
draußen. Die hatten wir am Abend doch glatt auf der Terrasse vor der Tür
stehen gelassen. Es hat jedoch niemand etwas hineingelegt.
Auch am dritten Tag unserer Tour, alle hatten pünktlich den Weg aus dem
Bett und der nahe gelegenen Liebesschlucht gefunden, ging es weiter auf
unserer Fahrt in Richtung Koblenz. Das Tagesziel Treis-Karden war
ziemlich weit gesteckt. Auch zeitlich durfte an diesem Tag nichts
anbrennen. Um 19:30 Uhr sollte nämlich unser Zug von Treis-Karden, nach
Koblenz fahren. Die Sonne meinte es an diesem Tag besonders gut. Bereits
nach 20 km, im Hafen von Senheim war die Mittagspause. Nach ausgiebiger
Pause musste nun kräftig gezogen werden. Beilstein steuerbord liegen
lassend kamen wir an der Staustufe Fankel an. Nachdem wir bereits am
Vormittag an der Staustufe St. Aldegund, wegen Defekt der Sportschleuse
die große Schleuse benutzen konnten, schien sich hier ein echter Stau
anzukündigen. Vor uns Motorboote ohne Ende. Immer nur zwei dieser Boote
passten in die Sportschleuse. Und die Zeit tickte. Glücklicherweise gab
es keinen Rückstau bei der Berufsschifffahrt, so dass wir dann abermals
über die große Schleuse unsere Fahrt fortsetzen konnten. An diesen
beiden Tagesschleusen kam es auch immer wieder zu Zusammentreffen mit
Ruderkameraden des RV Leer, welche uns dann noch bis Cochem begleiteten.
Tags zuvor hatten wir sie bereits singend in der Schleuse erlebt,
während wir oben warten mussten.
Dann in Treis-Karden - Showdown!
18:40
Uhr - Wir treffen bei der RG Treis-Karden ein. Die Wiese neben der
Rudergesellschaft ist in Beschlag genommen von einem Circus. Der
Landdienst ist nicht da. "Pingo" beklagt den Verlust seiner Sandalen und
der Bahnhof ist weit, zumindest auf der anderen Flussseite.
Also
Boote raus!
19:05Uhr - Auf geht’s. Vor zur Brücke und rüber auf die andere Seite der
Mosel. "Was ist hier los?" Kein Übergang zum Bahnhof und dort steht
bereits ein Zug - zum Glück aber der für die Gegenrichtung. Auf
getrennten Wegen wird nach dem Durchlass gesucht. Und endlich, alle sind
pünktlich auf dem Bahnsteig. Nun schnell noch die Fahrkarte aus dem
Automaten. Aber irgendetwas stimmt hier nicht. "Wo bleibt unser Zug?
Warum fährt der andere Zug nicht los? " Der im Bahnhof wartende Zug,
dort bereits, wie man uns mitteilt, seit über zwei Stunden. Aber worauf
der? - Auf den Gegenzug oder verspätete Fahrgäste? - Nein, auf Strom!
Der Zugverkehr ist auf unbestimmte Zeit unterbrochen. Toll! Aber wir
wollen nach Hause und wir haben Hunger. Zum Glück hatte Susi die
Telefonnummer eines Taxiunternehmens. Mit drei Großraumtaxis wurden wir
dann nach Koblenz gebracht. Wenn die Taxifahrer gewusst hätten, dass
unser “Ruderdeo“ versagt hatte, hätten sie es sich vielleicht noch mal
überlegt. Aber das war nun zu spät.
Mit
unserer Ankunft in Koblenz um 20:30 Uhr, setzte übrigens auch der
Zugverkehr wieder ein. Nach einem Abendessen vom Lieblingsitaliener der
Koblenzer ging es zurück zum Ruderverein.
An
diesem Tag tat mir der Hintern ganz schön weh. Aber nach einer schönen
Dusche fanden sich noch einige in Teddys "Blumengarten" zusammen. Die
letzte “schwarze Katz“ wurde noch aus der Flasche befreit und kurz nach
Mittemacht verschwanden auch die Letzten in der Falle.
Am Sonntagmorgen war das Frühstück zu 8 Uhr fertig. Guido und Rafaela
kamen einige Minuten Später mit drei Kisten Brötchen und die
Rautierfütterung konnte beginnen. Dann ging es, wie bereits am ersten
Tag, zum Bahnhof “Moselweiß“. Alles unkte, doch das Wunder geschah: "Der
Zug war sogar pünktlich da."
Pingo
hatte sich auf der Suche nach seinen Sandalen noch einmal ins Auto
gesetzt und war in Richtung Zell zurückgefahren. Leider waren aber schon
"Sachensucher" an der Stelle vorbeigekommen und nahmen die nun
herrenlosen Gegenstände in ihren Besitz. Die Sache hatte aber auch sein
gutes. Die restlichen Besatzungen brauchten sich nicht um den Transport
der Getränke zu kümmern. Die brachte der Pingo in seinem Auto mit.
Nach meinem kleinen Abstecher in einem Vierer (Asterix II), war ich an
diesem Tag wieder mit Pingo und Manuela in einem Boot. Natürlich wurden
in Tradition des "Richtershorner Rudervereins" auch wieder Brücken
gezählt. Nachdem "Manu" mit der Doppelumrundung der 17. Brücke am
Freitag, besonders auf die korrekte Zählweise aufmerksam gemacht wurde,
gab es auch am Sonntag Probleme beim Zählen und dann sogar die
Diskussion, ob es sich bei der "Konstruktion" der A 61 über die Mosel,
um eine Brücke handelt oder nicht. Dem Hinweis von Pingo, die Sache
persönlich zu prüfen, indem wir hochgehen und über die Brücke laufen
sollten, wollten wir dann doch nicht nachgehen, haben sie aber dennoch
gezählt.
Auch am Sonntag stellten die Schleusen wieder ein kleines Problem dar,
da sie meistens durch Motorboote verstopft waren. Da an diesem Tag aber
nur 36 km auf dem Programm standen, hatten wir keine Zeitprobleme. Nach
dem passieren der letzten Schleuse, gab es in Niederfell noch einmal
eine ausgedehnte Pause. In einem lauschigen Lokal, umrankt von wildem
Wein, stärkten wir uns mit Eisbecher und Flammkuchen. Leider gab es
keine Maibowle.
Pirat
Thomas bemächtigte sich beim Ablegen, der letzten Weinflaschen aus
unserem Boot und sicherte diese für Susi und Antje. Die Mädels hatten
zwischenzeitlich festgestellt, dass sie einen Ruderautomaten im Boot zu
sitzen hatten, welcher unter Einschub eines Schokobrötchens bereitwillig
auch allein ruderte.
Vor
Winningen trafen dann die "Oberwerth" und die "Gerhard Völker" zusammen
und leerten die letzte Flasche Wein. Aus dem Katamaran wurde schnell ein
Trimaran, als der Ruderautomat Thomas, das "Mäxchen" an die andere Seite
der "Oberwerth" brachte. Nachdem auch im "Mäxchen" der Weinkeller
geplündert war, fielen die Boote wieder auseinander. Zwischen "Mäxchen"
und "Gerhard Völker" gab es dann noch eine kleine Regatta, welche unser
Boot letztendlich für sich entscheiden konnte. Bis zur
Kurt-Schumacher-Brücke-Brücke zeigte die Besatzung der "Gerhard Völker",
sich und den Besatzungen der anderen beiden Boote mit 10 "Harten" dann
noch einmal, dass die Fahrt auch noch 10 km mehr haben könnte. Ab der
Brücke schlossen sich die drei Boote nochmals zu einem Trimaran zusammen
und fuhren gemeinsam mit dem Lied vom "Kleinen Matrosen" am Koblenzer
Ruderverein Rhenania vor. Pingo war bei der gestalterischen
Interpretation des Liedes so stark arrangiert, dass er sogar die Ansage
seiner Brücke vergaß.
In Höhe
des Bootshauses kam dann der Befehl des Obersteuermanns Regina:
"Einsmann übernehmen - Steuermann geht von Bord!", -Plumps- und sie war
ins Wasser gesprungen. Sofort ging auch Antje von Bord und der Trimaran
fiel wieder auseinander. Damit begann ein abschließender Badespass und
das gemeinsame Gruppenfoto fiel buchstäblich ins Wasser. Dem
Badevergnügen konnte sich fast keiner entziehen. Die Brüder Schäfer
versteckten sich hinter wichtigen Aufgaben um bloß nicht mehr in die
Nähe des Steges zu müssen. Zum Ende konnte Teddy dann doch noch dazu
bewegt werden auch ins Wasser zu springen.
Erst
nach diesem Bad in der Mosel kam ich dann dazu meine Maibowle zu
trinken, welche ganz spontan durch die Gaststättenbewirtschaftung auf
dem Waschplatz serviert wurde. Nach der Reinigung der Boote unter "gar
strenger" Aufsicht des trockenen Guidos und der Reinigung der eigenen
Person, trafen wir uns alle auf der Terrasse des Gasstätte, wo noch
einemmal mit einem toll zubereitetem Essen für das leibliche Wohl
gesorgt wurde. Daher möchte ich möchte auf diesem Wege, noch einmal bei
dem Personal der Gaststätte für das reichhaltige Essen und die schnelle
Bedienung, sowie das lange Ausharren bedanken. Dann war die Zeit des
Abschieds gekommen. Nach kurzen Dankesreden von Seiten Teddys und
Matthias, als Vertreter der beiden Rudervereine, fuhren die Koblenzer zu
ihren Heimstätten, während wir noch einmal die Schlafstätten des Vereins
nutzen.
Abschließend kann ich nur noch sagen, dass mir diese Wanderfahrt sehr,
sehr viel Spaß gemacht hat und ich hoffe, dass wir uns alle zu einer
ähnlichen Fahrt vielleicht hier in Berlin wiedersehen.
Euer
Ruderkamerad
Micha
K.
|